Perspektivenvielfalt beim GOA26
Mit der Erfindung des Internets hofften viele auf einen Ort der Freiheit und Selbstbestimmung, an dem Menschen sich austauschen und über räumlichen Grenzen hinweg ins Gespräch kommen können. Heute zeigen die Einreichungen zum Grimme Online Award, dass der Traum vom globalen Dorf auch Jahre später noch weiterlebt. Zahlreiche Einreichungen für den diesjährigen Grimme Online Award beschäftigen sich mit Einwanderungsperspektiven und wollen die Vielfalt an kulturellen Identitäten im Netz sichtbarer machen.

Eines dieser Angebote ist der TikTok-Kanal „Oliwka.de“, ein Funkformat, das die Aufmerksamkeit auf die polnische Kultur und das Leben in Osteuropa lenkt. Aufgewachsen in Polen, spricht Oliwia Nowakowska mit ihrer Osteuropa-Expertise in kurzen Videos über die Themen, die Pol*innen in Deutschland bewegen, und schafft damit eine Online-Gemeinschaft für eine der größten Einwanderungsgruppen Deutschlands. In ihren Kurzvideos geht es um Themen wie sprachliche Barrieren, das Schulsystem in Polen oder auch politische Entwicklungen zwischen Deutschland und Polen. Besonders an die Gen Z gerichtet, wird das Aufwachsen mit einer deutsch-polnischen Identität beleuchtet und so Unterhaltung mit gesellschaftspolitischer Einordnung und Bildungsarbeit kombiniert.

Für mehr Sichtbarkeit setzt sich auch der Nachrichtenkanal „WDRforyou“ ein, der seine Inhalte auf Persisch und Deutsch veröffentlicht. In Reportagen und kurzen Reels auf Instagram und Facebook wird eine Community für syrische, iranische, afghanische und irakische Menschen geschaffen. Die Videos erklären zugänglich, wie die deutsche Gesellschaft funktioniert und diskutieren aktuelle Themen und Nachrichten. Ebenso bietet das Angebot einen Raum zum Austausch für alle, die Deutschland neu entdecken, Fragen haben und Gemeinschaft suchen. „WDRforyou“ zielt darauf ab, öffentliche Wahrnehmung für jene Gruppen zu schaffen, die ihre eigenen Stimmen in den Nachrichten selten hören.

Eine weitere Einreichung im Themenblock „Einwanderungsperspektiven“ stellt die Frage: „Welcher Gegenstand verbindet dich mit deiner Kindheit und deinen kulturellen Wurzeln?“ Im Instagram-Format des SWR Kultur „Ein Teil von…“ erzählen Personen mit Migrationsgeschichte, welche Gegenstände aus ihrer Kindheit sie geprägt haben und bis heute mit ihren kulturellen Wurzeln verbinden. Von Matrjoschkas bis hin zu Suppenlöffeln wird mit vermeintlich unscheinbaren Alltagsgegenständen an die Kindheit erinnert und von den eigenen Traditionen erzählt. Der SWR Kultur macht mit „Ein Teil von…“ vielfältige Geschichten für ein breites Publikum zugänglich.

Auch im Audiobereich wird viel Wert auf Vielfältigkeit gelegt. „Auf einen Çay mit…“ ist ein Podcast der Initiative Ruhrpott für Europa. Darin spricht Hostin Leonie Wanner gemeinsam mit Personen aus Politik, Wissenschaft oder Zivilgesellschaft über stets aktuelle politische Themen. Während der Aufzeichnungen sind 15-20 junge Menschen mit dabei, die das Gespräch live verfolgen und Fragen stellen können. Ruhrpott für Europa macht sich für junge Menschen stark, die sich aktiv mit Europa und dem Zusammenleben in einer Migrationsgesellschaft auseinandersetzen. Das Angebot soll die junge Generation dazu bewegen, Europas Zukunft im Ruhrgebiet gemeinsam zu gestalten.
Die diesjährigen Einreichungen beim Grimme Online Award zeigen, dass im Internet noch immer Platz für Menschen ist, die ihre Herkunft leben, Gemeinsamkeiten entdecken und sich über unterschiedliche Erfahrungen austauschen wollen. Kulturelle Identität wird bei den vorgestellten Angeboten nicht als etwas Abgrenzendes verstanden, sondern als ein Ausgangspunkt für Austausch – passend zur der Idee des „globalen Dorfs“.









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