„Uns ist dabei schnell klar gewesen, dass das keine „normalen“ Landtagswahlen werden. Denn die Spaltung der Gesellschaft ist bereits weit ein Jahr vor der Wahl an vielen Orten spürbar gewesen.“
Ein Interview mit Christian Bollert über den nominierten Podcast „DAZWISCHEN – Der Newsletter und Podcast für Sachsen-Anhalt“
Passend zur Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt startet detektor.fm den Podcast „DAZWISCHEN“. Die Hosts Marie Landes und Katja Schmidt sprechen wöchentlich über ihr Bundesland und setzen sich dabei für Demokratiestärkung und ein differenziertes Bild Sachsen-Anhalts ein. Ergänzend zum wöchentlichen Podcast bieten Newsletter und Website weitere Informationen, Hintergründe und Anreize zur Auseinandersetzung mit dem Land und seinen Menschen.

Wie ist die Idee zu Ihrem Angebot entstanden? Gab es einen konkreten Anlass?
Wir haben im vergangenen Sommer im Team vom Podcast-Radio zusammengesessen und bei der langfristigen Planung auf die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt geschaut. Uns ist dabei schnell klar gewesen, dass das keine „normalen“ Landtagswahlen werden. Denn die Spaltung der Gesellschaft ist bereits weit ein Jahr vor der Wahl an vielen Orten spürbar gewesen. Da viele unserer Teammitglieder persönliche Beziehungen nach Sachsen-Anhalt haben und Leipzig direkt an Sachsen-Anhalt grenzt, haben wir deshalb entschieden, dass wir ein journalistisches Angebot für Sachsen-Anhalt entwickeln wollen. War doch erwartbar, dass es kurz vor der Wahl und zu besonderen Ereignissen wie der ersten Landtagssitzung oder der Wahl zum Ministerpräsidenten eine große mediale Aufmerksamkeit in ganz Deutschland geben wird. Unsere Befürchtung ist jedoch gewesen, dass es nur wenig differenzierte und langfristige Berichte und Formate geben wird, wie bei vielen Wahlen in den ostdeutschen Bundesländern zuvor.
Die Medienlandschaft in Sachsen-Anhalt wird von einigen Forschenden als „Nachrichtensteppe“ beschrieben, also als im deutschen Vergleich in Sachen Vielfalt unterdurchschnittlich. Viele Menschen in Sachsen-Anhalt fühlen sich von etablierten Medien, die meist eine eher westdeutsche Perspektive mitbringen, nicht gesehen. DAZWISCHEN ist der ambitionierte Versuch mit einem Newsletter, einem Podcast und Veranstaltungen vor Ort ein differenziertes und ausgewogenes Bild von den verschiedenen Regionen und Menschen in Sachsen-Anhalt zu liefern. Genau diese Idee haben wir dann im vergangenen Jahr den Macherinnen und Machern des Media Forward Funds vorgestellt und dankenswerterweise haben sie unsere Analyse geteilt und sind Kooperationspartner geworden.
Was war der größte Erfolgsmoment in der Arbeit, was die größte Herausforderung?
Neben der fantastischen Nominierung für den Grimme Online Award sind es bisher die vielen, oft auch emotionalen, Reaktionen im Umfeld der Landtagswahl gewesen. Wir alle im Team haben uns vermutlich nicht vorstellen können, wie sehr tausende Menschen auf ein Angebot wie unseres gewartet haben. In der Woche vor der Wahl und in der Woche danach sind wir kaum hinterhergekommen, all die Nachrichten auf diversen Kanälen zu beantworten. Diese Wertschätzung für unsere tägliche Arbeit ist sicher bisher der größte Erfolg. Denn natürlich träumt man davon, ein für die Nutzenden relevantes Angebot zu bauen, das dann jedoch dann von den Menschen direkt gespiegelt zu bekommen, hat noch einmal einen besonderen Wert und motiviert für die nächsten Monate. Hinzu kommt, dass wir mittlerweile auch quantitativ erfolgreich sind und schon mehr als 250.000 hochwertige Kontakte (Newsletteröffnungen & Podcast-Abrufe) erzielt haben.
Die größte Herausforderung ist sicher der sehr sportliche Start gewesen. Denn gemeinsam mit dem Media Forward Fund haben wir entschieden, dass wir so schnell wie möglich mit DAZWISCHEN an den Start gehen wollen. Deshalb haben wir kaum drei Monate Vorbereitungszeit für dieses so ambitioniertes Projekt gehabt. Dankenswerterweise haben da alle Räder ineinander gegriffen und wir sind bereits Ende März an den Start gegangen. In dieser Zeit haben bei uns im Team viele Leute sehr schnell neue Aufgaben übernommen und sich teilweise in komplett neue Arbeitsbereiche wie das Newslettermanagement oder dezentrale soziale Netzwerke eingearbeitet. Geholfen hat uns dabei sicher unsere mehr als 17-jährige Erfahrung im Bereich des Podcastens.
Wie sehen Ihre weiteren Pläne für das Angebot aus?
Durch die Kooperation mit dem Media Forward Fund haben wir für DAZWISCHEN dankenswerterweise noch eine Finanzierung bis Ende 2027. Das kommende Jahr nutzen wir, um Newsletter, Podcast und die Veranstaltungen langfristig auf wirtschaftlich tragfähige Füße zu stellen. Dafür streben wir ab 2028 drei zentrale Einnahmequellen an: Finanzierung durch Nutzende, Übergangsunterstützung durch Stiftungen sowie klassische Podcast-Werbung. Mit diesem Mix kann ein Angebot wie DAZWISCHEN auch nachhaltig die Medienlandschaft in Sachsen-Anhalt bereichern und ergänzen. Wir können in Sachsen-Anhalt mit DAZWISCHEN beweisen, dass digitaler Regionaljournalismus auch refinanzierbar ist und das ist ganz klar unser Ziel.
Inhaltlich arbeiten wir für 2027 bereits an größeren Rechercheprojekten und Kooperationen mit anderen Medien. Denn Sachsen-Anhalt hat auch abseits von Landtagswahlen sehr viele journalistisch spannende Themen zu bieten. Wenn wir in den vergangenen Monaten eines gelernt haben, dann, dass es an einem bisher nie gemangelt hat, an Themenideen und Anregungen aus unserer DAZWISCHEN-Community. Unser ambitionierter Anspruch ist es, neben dem MDR und dem Bauerverlag („Magdeburger Volksstimme“ & „Mitteldeutsche Zeitung“) mit DAZWISCHEN ein dauerhaft relevantes und reichweitenstarkes Regionalmedium zu etablieren.
Vielen Dank für das Interview!










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