GOA 2026 … wir müssen uns unterhalten

Die Frage ist, ab wann das WWW – so nannten wir es damals – eigentlich unterhaltsam wurde? Gestartet als Projekt einer elitären wissenschaftlich-universitären Clique, dann entdeckt von den Kultur- und Geisteswissenschaften….Und irgendwann gab es Spiele zum Runterladen – mit ein paar Kilobyte pro Sekunde, es dauerte ewig. Aber Unterhaltung? Vielleicht die blubbernde Trojan Room-Kaffeemaschine an der University of Cambridge😉
Hans-Jürgen Krysmanski, Soziologie-Professor in Münster, prophezeite schon im Jahr 1994: „Eines Tages werden wir im Netz Videos sehen, wo wir gar nicht wissen, wo die herkommen.“ Also quasi ein Reset des Buchdrucks und ein Zurück zum „Geschichten erzählen“ – das Ende der Zurechenbarkeit.
Mit den KI-Generatoren erfährt das Ganze eine noch gnadenlosere Beschleunigung. Die Mechanismen im Hintergrund werden zu Ideen-Geber*innen – für manche der Untergang des kulturellen Abendlandes. Salopp gesagt, erinnert das an die Anfänge des gallischen Kriegers Asterix, weil Goscinny den Zeichner Uderzo „beauftragte“. Und für „Lucky Luke“ Morris – und ach, es brennt einem in den Fingern, ihn mittels KI wieder „normal“ sein zu lassen.

Fangen wir vor diesen grob gesponnenen Gedanken mit den Vorschlägen für den Grimme Online Award 2026 im unterhaltsamen Bereich an. @ardstandup setzt auf kurze Clips auf TikTok: Gut ausgewählte Stücke aus dem Programm, webkonform und schnell konsumierbar, also „ready2go“ und erreicht damit beachtliche 215.9k auf TikTok.
Richtig schöne Unterhaltung ist auch Das große Streamer-Battle des Tigerenten Clubs, u. a. mit @Chefstrobel @Knirpz und @Jonsman, ursprünglich ein Twitch Format und verfügbar im Youtube-Kanal von ARD Gaming. Mit einer Laufzeit von über 4 Stunden würde es nahezu jeden Fernsehrahmen sprengen – und findet doch hier seinen interaktiven Rahmen. Um auch da mal zurückzublicken: „Interaktivität“ begann in der „Hobbythek“ mit dem Filzstift auf dem Bildschirm und nicht zuletzt mit dem in diesem Jahr – mit einer Besonderen Ehrung beim Grimme-Preis – ausgezeichneten Frank Elstner.
Aber schauen wir nach vorne. Für das, was passiert ist @KlischeeKing bei Tiktok prototypisch: Kurze Clips über alle möglichen Stereotypen, Vorurteile und gedachte Topoi. Kritisch, aber vor allem eins: unterhaltsam. Reflektion und „Wissensvermittlung“ im Comic-Stil, KI generiert und hier stellt sich dann schnell die Frage nach Urheber- oder auch Autor*innenenschaft.Als Hosts dabei sind ein Journalist vom SR und ein Experte des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.

Noch verrückter wird das Ganze beim YouTube-Format @TomsZeitreisen, wo ein Chronist in die Geschichte eintaucht und diese via KI lebendig werden lässt. Da kommt alles zusammen und neben kulturellen Rückblicken wird die Zukunft ganz präsent: „Der Markt für KI-Geschichtsvideos ist in einer einzigartigen Phase. Erst seit Kurzem ist es zuverlässig möglich, echte historische Vorlagen als Referenz zu nutzen, sodass die KI keine Fantasie-Anachronismen mehr erfindet, sondern echte Quellen in fotorealistische Szenen verwandelt.“ [https://toms-zeitreisen.de/anleitung]
Okay??? Dagegen gibt es beim TikTok-Kanal @schrotthaehnchen, das ebenfalls für den GOA 2026 vorgeschlagen wurde, einen echten Moderator. Es ist anzunehmen, dass dieser Spagat kennzeichnend für die weitere Entwicklung sein wird. Die sozialen Plattformen, besser übersetzt, die gesellschaftlichen, leben von Individuen, die dahinterstehen, überzeugen und authentisch wirken. Was aber, wenn Maschinen diese Projektionsflächen besser bedienen können? Ein Gedanke, den Norman Spinrad 1987 schon in seinem New Wave-Science Fiktion-Roman „Little Heroes“ brutalstmöglich und fast prophetisch skizzierte.

In dem eingereichten Audio-Podcast Mias Leseecke fehlt das Gesicht qua Medium, dennoch zeigt gerade dieses Angebot den „Turn“ zurück zu „gedruckten“ Angebotent: Papier und Lesen sind wieder hipp und ein Mosaikstein in einer sich immer mehr ausdifferenzierenden Welt. Letzteres wäre zumindest eine Frage …
… mit der wir „last but not least“ zu @LaurenAngela kommen. In ihrem Youtube-Kanal berichtet die in Florida (USA) aufgewachsene Protagonistin von ihrer „Odyssee“ des Umzugs nach Deutschland – mit all den damit verbundenen Irritationen. Das ist nicht nur interessant und mit vielen Lachmomenten aufgezogen, sondern Social Media Stand der Dinge.
Es wird spannend, wohin das alles gehen wird. Wird es vieles Nebeneinander geben? Oder wie Allen Ginsberg mal in einem anderen Kontext über unsere erlebten Zusammenhänge sagte, geraten wir alle in den „großen Mixer“ ?









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