„Es werden Orte sichtbar gemacht, die zeigen: Das Bauhaus war kein weltfremder Elfenbeinturm, sondern hinterließ prägende Spuren mitten in der Stadt und wurde wiederum von dieser beeinflusst.“
Ein Interview mit der Stiftung Bauhaus Dessau und Navos create über das nominierte Angebot „Unsichtbares Bauhaus Dessau“
„Unsichtbares Bauhaus Dessau“ ist ein Video- und Audiowalk über sechs Stationen – passend zum hundertsten Geburtstag der Institution. In kurzen Videos werden zentrale Meilensteine und Diskurse des Bauhauses in Dessau erkundet und aufbereitet. Die eindrucksvolle Geschichte des Bauhauses wird so informativ und digital erlebbar in der Stadt verortet – auch für diejenigen, die nicht vor Ort sind.

Wie ist die Idee zu Ihrem Angebot entstanden? Gab es einen konkreten Anlass?
SBD: Unter dem Titel „An die Substanz“ feiert die Stiftung Bauhaus Dessau seit September 2025 ein besonderes Jubiläum: Vor 100 Jahren zog die legendäre Hochschule für Gestaltung nach Dessau. Mit Ausstellungen, Performances, Konferenzen und Kunstaktionen im Bauhaus Museum Dessau, im historischen Bauhausgebäude und an verschiedenen Orten in der Stadt wird eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen. Dabei steht auch die wechselseitige Verbindung zur Stadt Dessau im Fokus: Das Projekt „Unsichtbares Bauhaus Dessau“ ist Teil dieses Ansatzes. Es werden Orte sichtbar gemacht, die zeigen: Das Bauhaus war kein weltfremder Elfenbeinturm, sondern hinterließ prägende Spuren mitten in der Stadt und wurde wiederum von dieser beeinflusst. Die Zeitreise zu diesen Orten ermöglicht neue Perspektiven auf das Erbe des Bauhauses und vermittelt Geschichte, die Dessau bis heute prägt. Anlässlich des Jubiläums sollte ein digitales Projekt geschaffen werden, das einer breiten Öffentlichkeit ermöglicht, in die frühe Geschichte des Bauhauses in Dessau einzutauchen sowie mehr über die vielfältigen Kooperationen und Begegnungspunkte der Stadt und der Schule für Gestaltung zu erfahren.
Was war der größte Erfolgsmoment in der Arbeit, was die größte Herausforderung?
SBD: Im Rahmen der Vorrecherche für das Projekt tat sich ein unendlicher Fundus an spannenden Fakten, Originaldokumenten, Anekdoten, Fotografien und Zeitzeugenberichten auf. Genug für eine ganze Dokureihe! Doch galt es, die Herausforderung zu meistern, aus dieser Fülle die wichtigsten Informationen herauszufiltern und ebenso unterhaltsam wie fundiert auf den Punkt zu bringen, damit die Videos und der Audiowalk eine gut zu bewältigende Länge behalten und den Nutzer nicht überfrachten, sondern neugierig machen. Ein großer Erfolgsmoment war die Fertigstellung des ersten Videos, als die visuelle Idee zum Leben erwachte und wir die Gewissheit hatten: Das kann funktionieren und bietet einen ganz neuen, frischen Zugang zur Geschichte des Bauhauses in Dessau.
Navos create: Während der gesamten Produktion war eine Frage unser Kompass: Wie können wir vom Bauhaus erzählen, ohne in visuelle Klischees zu verfallen? Die Lösung: die Essenz der Designschule referenzieren. Storytelling und Design sind eine Ode an ihre Prinzipien: schnörkellos, funktional und modern. Mit Elementen aus der Entwurfszeichnung – Transparenzen, Raster, Collagen – wird die Geschichte unterhaltsam, aber immer historisch korrekt erzählt. Die Orte werden respektvoll und, wo passend, humorvoll inszeniert. Jedem Video und dem Audiowalk liegt jeweils eine Kernbotschaft zugrunde: Wofür steht der Ort? Was macht er sichtbar? Für uns hat sich der Erfolg des Projekts vor allem an der Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit dem Team der Stiftung bemessen. Schon bei der Auswertung des Pitches zeigte sich, dass alle Beteiligten eine sehr ähnliche Vorstellung davon hatten, wie das Projekt aussehen soll und wie auf keinen Fall. Das hat sich in unserer gemeinsamen Arbeit immer wieder bestätigt. Und ja, für uns als Agentur ist eine so wertschätzende und inspirierende Atmosphäre nicht nur ein Erfolgsmoment, sondern vielmehr eine Quelle vieler solcher Momente.
Wie sehen Ihre weiteren Pläne für das Angebot aus?
SBD: Die Seitenaufrufe belegen ein kontinuierliches Interesse an dem Projekt, unterstreichen dessen nachhaltige Wirkung im digitalen Raum und bestätigen die hohe Qualität des Webauftritts. Daran möchten wir auch in Zukunft anknüpfen. Aufgrund der dichten und facettenreichen Quellenlage wäre es vorstellbar und erstrebenswert, den Videowalk durch weitere Stationen im Dessauer Stadtraum zu ergänzen und das Angebot noch weiter auszubauen. Hierfür würde sich etwa eine Reihe ehemaliger Wohnorte von Bauhäusler*innen in Dessau anbieten. Von dem podcastähnlichen Audiowalk zu Paul Klee versprechen wir uns in den Sommermonaten ein besonderes Interesse der Besuchenden, da es durch den landschaftlich äußerst reizvollen Georgengarten führt. Die interaktiven Sequenzen des Hörformats dürften auch Familien mit Kindern besonders ansprechen. Hier sehen wir besonderes Potenzial für neue Vermittlungsformate, die die Inhalte des Audiowalks aufgreifen und auch in der schulischen Kunsterziehung Anwendung finden könnten.
Vielen Dank für das Interview!









Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!