„Aber Barrierefreiheit ist für mich kein abgeschlossener Punkt, sondern ein Prozess.“
Ein Interview mit Kristina Vogel über den nominierten (Video-)Podcast „Sitzengeblieben – mit Kristina Vogel“
In ihrem (Video-)Podcast „Sitzengeblieben“ spricht die ehemalige Bahnradfahrerin Kristina Vogel mit wechselnden Gäst*innen über „Points-Of-No-Return“. Momente, an denen es kein Zurück mehr gab und die das Leben veränderten. Neben den spannenden Interviews ist die konsequente Berücksichtigung der Barrierefreiheit im Podcast hervorzuheben. Die Transkripte in leichter Sprache und die Audiodeskriptionen zu Beginn der Folgen belegen, wie digitale Teilhabe umgesetzt und mitgedacht werden kann.

Wie ist die Idee zu Ihrem Angebot entstanden? Gab es einen konkreten Anlass?
Die Menschen sagen mir oft, dass ich sie mit meinem Leben inspiriere. Dass die Art, wie ich mit meinem Schicksalsschlag umgegangen bin, viele dazu ermutigt, sich selbst auf den Weg zu machen. Sicherlich ist mein Weg für mich ganz persönlich einzigartig. Aber ich habe viele Menschen kennengelernt, die genauso einzigartige Geschichten haben. Menschen, die an einem bestimmten Punkt vor einer Entscheidung standen und mutig ihren Weg gegangen sind. Ich wollte der Welt zeigen, dass es noch viel mehr solcher „Bad-Ass“ Menschen gibt, und ihnen eine Bühne und eine Stimme geben.
Was war der größte Erfolgsmoment in der Arbeit, was die größte Herausforderung?
Der Podcast ist barrierefrei. Vielen fällt das vielleicht gar nicht direkt auf. Aber allein die Frage, wie man meinen visuellen Stil beibehalten und gleichzeitig beispielsweise die Kontraste von Bildern und Schrift so gestalten kann, dass auch Menschen mit Sehbeeinträchtigung alles gut lesen können, war eine Herausforderung. Sicherlich mussten sich auch erst einmal alle daran gewöhnen, dass ich zu Beginn das Umfeld beschreibe. Auch das Transkript in Leichter Sprache umzusetzen, war anfangs eine Herausforderung. Mir war wichtig, dass die Botschaften wirklich alle Menschen erreichen. Als dann alles so aufgegangen ist, wie ich es mir erhofft hatte, war ich doch sehr stolz auf mich. Denn ich dachte mir: Wenn nicht ich einen barrierefreien Podcast mache, wer dann? Dazu kam, dass sich die Gäste so sehr geöffnet und so ehrlich gesprochen haben, dass wir im Anschluss immer gefragt haben: „Seid ihr sicher, dass das so an die Öffentlichkeit kann? Wollt ihr, dass wir das lieber rausschneiden?“ Wenn dann alles zusammenkommt, wie man es sich vorgestellt hat, und andere die eigene Vision verstehen und mittragen, macht das mich und mein wundervolles Team einfach sehr, sehr stolz!
Wie sehen Ihre weiteren Pläne für das Angebot aus?
Ich blicke durchaus positiv und bestärkt in die Zukunft. Ich wollte nicht einfach nur einen Podcast machen, in dem Menschen über ihre Unfälle oder schweren Erkrankungen sprechen. Ich wollte auch Menschen vorstellen, die wirtschaftliche Pionierarbeit geleistet oder auf andere Weise ihre eigenen Grenzen überwunden haben. Mir war wichtig, dass alle Menschen die Folgen hören können und jede Person etwas für sich daraus mitnehmen kann. Das war die Vision und das Ziel – und genau diese Resonanz haben wir bekommen. Menschen haben uns geschrieben, dass sie jetzt mutig Dinge ausprobieren oder sich einfach nur gehört fühlen. Und genau das ist es, was ich mit Sitzengeblieben erreichen wollte. Deshalb möchte ich unbedingt weitere solcher Gespräche führen. Aktuell sind wir bereits in den Vorbereitungen für die zweite Staffel und ich freue mich sehr darauf, weitere spannende Menschen und ihre Geschichten sichtbar zu machen. Ein Fernziel von mir ist es außerdem, Gebärdensprache in den Podcast einzubinden und ihn damit noch zugänglicher zu gestalten. Für die erste Staffel war das leider noch nicht umsetzbar. Aber Barrierefreiheit ist für mich kein abgeschlossener Punkt, sondern ein Prozess. Ich möchte schauen, wie wir den Podcast Schritt für Schritt für noch mehr Menschen zugänglich machen können.
Vielen Dank für das Interview!










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