„Seit Jahren wird die Klimakrise in der Berichterstattung nicht angemessen gargestellt-quantitativ wie qualitativ.“
Ein Interview mit Jürgen Döschner über das nominierte Angebot „brandmelder–Klima braucht Kontext“
Das gemeinnützige Projekt „brandmelder“ nimmt die deutschsprachige Klimaberichterstattung kritisch in den Blick. Es identifiziert wiederkehrende Muster, fehlende Einordnungen und blinde Flecken in der Berichterstattung und ordnet aktuelle Debatten ein – mit Hilfe von Meldungen und Artikeln. Jede Medienkritik verbindet die Analyse mit konkreten, konstruktiven Vorschlägen für eine bessere Klimakommunikation und zeigt so, wie Berichterstattung differenzierter, verständlicher und wirkungsvoller werden kann.

Wie ist die Idee zu Ihrem Angebot entstanden? Gab es einen konkreten Anlass?
Die Idee kam uns bereits vor etwa drei Jahren, als wir vom Netzwerk
Klimajournalismus den „Deutschen Preis für Klimajournalismus“ ins Leben
riefen. Damals gab es den Vorschlag, auch eine Art Negativ-Preis zu
vergeben, um auch auf das hinzuweisen, was im Klimajournalismus
schiefläuft. Das lag nahe, denn schon die Gründung des Netzwerks
basierte auf unserer Einschätzung, dass die Klimakrise in den Medien
nicht angemessen abgebildet wird. Da uns ein „Negativ-Preis“ dafür aber
zu plakativ erschien, verzichteten wir darauf und bastelten von da an in
unterschiedlicher Intensität an der Idee, eine öffentliche Plattform zu
entwickeln, die regelmäßig und professionell die Klimaberichterstattung
beobachtet und analysiert.
Was war der größte Erfolgsmoment in der Arbeit, was die größte Herausforderung?
brandmelder ist ein noch junges Projekt. Unser größter Erfolg ist es,
ein Team von Journalistinnen gefunden zu haben, das an die Idee von
brandmelder glaubt und mit sehr viel Herzblut und Engagement an
brandmelder arbeitet. Es war ein langer Weg von der Idee bis zur
Realisierung. Die für uns größte Herausforderung war und ist die
Dimension der Aufgabe, die wir uns gestellt haben: Seit Jahren wird die
Klimakrise in der Berichterstattung nicht angemessen dargestellt –
quantitativ wie qualitativ. Das wollen wir ändern, indem wir
Diskussionen anstoßen – über die Rolle und die Verantwortung, die die
Medien in dieser Krise tragen.
Wie sehen Ihre weiteren Pläne für das Angebot aus?
Wir wollen Formate entwickeln, die die verschiedenen Zielgruppen, die
brandmelder adressiert, erreichen: Wir wenden uns ausdrücklich nicht nur
an Journalistinnen, sondern auch an Leserinnen, die Zivilgesellschaft,
Wissenschaftlerinnen und Entscheiderinnen. Wir sind derzeit dabei,
unser Ressort „Wissen“ auszubauen und neue Mitarbeiterinnen für die
Redaktion zu gewinnen. Außerdem gilt es, brandmelder finanziell
abzusichern.
Vielen Dank für das Interview!









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