„Wir wollten zeigen, dass sich beides wunderbar verbinden lässt: die Schnelligkeit und Nahbarkeit von Social Media mit dem Anspruch, Literatur ernst zu nehmen und ihre Themen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.“
Ein Interview über den nominierten TikTok-Kanal „ard_literally“
TikTok wird überflutet von Buchempfehlungen unter dem Hashtag booktok. Hier bietet ard_literally ein abwechslungsreiches Gegenprogramm. Bücher werden unabhängig vom Hype ausgewählt und kritisch besprochen, diskutiert und in Challenges verpackt. Aus der vielfältigen Bücherauswahl in Kombination mit lockerer Unterhaltung entsteht eine ansprechende Literaturkritik, die fast nebenbei die Lesekompetenz und kritische Haltung gegenüber Trends fördert.

Wie ist die Idee zu Ihrem Angebot entstanden? Gab es einen konkreten Anlass?
Die Idee ist aus der Beobachtung entstanden, dass Bücher auf Social Media, insbesondere auf TikTok, eine ganz neue Sichtbarkeit bekommen hat. Auf BookTok und Bookstagram tauschen sich Menschen mit großer Begeisterung über ihre aktuelle Lektüre aus, entdecken neue Autor*innen und inspirieren sich gegenseitig zum Lesen. Gleichzeitig fehlte uns dort eine unabhängige, journalistische Stimme, die diesen Enthusiasmus aufgreift und um fundierte Literaturkritik und gesellschaftliche Perspektiven ergänzt. Wir wollten zeigen, dass sich beides wunderbar verbinden lässt: die Schnelligkeit und Nahbarkeit von Social Media mit dem Anspruch, Literatur ernst zu nehmen und ihre Themen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. So entstand Literally: als Einladung, Bücher neu zu entdecken und über sie miteinander ins Gespräch zu kommen.
Was war der größte Erfolgsmoment in der Arbeit, was die größte Herausforderung?
Ein besonders schöner Erfolgsmoment ist für uns immer dann erreicht, wenn wir merken, dass unsere Videos Menschen neugierig auf Bücher machen, die sie sonst vielleicht nie entdeckt hätten oder neue Perspektiven auf bekannte Bücher gewinnen. Ein schönes Beispiel ist unser Video über die Grande Dame der DDR-Literatur, Anna Seghers, das viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Das zeigt uns, dass auch Literatur jenseits aktueller Hypes ein Publikum findet, wenn man sie auf die richtige Weise vermittelt. Und natürlich freut es uns sehr, wenn unter unseren Videos lebhafte Diskussionen entstehen oder Menschen schreiben, dass sie durch Literally wieder mehr Lust aufs Lesen bekommen haben. Außerdem die Nominierung zum Grimme-Online-Award :)
Die größte Herausforderung besteht darin, unseren journalistischen Anspruch mit den besonderen Bedingungen der Plattformen zu verbinden. Wir wollen komplexe Inhalte und gesellschaftliche Zusammenhänge vermitteln, müssen dabei aber in wenigen Sekunden neugierig machen und unterhaltsam erzählen. Diese Balance immer wieder neu zu finden, ist anspruchsvoll und gleichzeitig das, was unsere Arbeit so spannend macht.
Wie sehen Ihre weiteren Pläne für das Angebot aus?
Wir möchten Literally weiterentwickeln, unsere Community vergrößern und noch mehr Menschen für Literatur begeistern. Mit Instagram haben wir bereits eine weitere Plattform erschlossen. Außerdem wollen wir künftig verstärkt Live-Events auf die Beine stellen, um unsere Community nicht nur digital, sondern auch persönlich zu treffen. Inhaltlich möchten wir unserem Ansatz treu bleiben: aktuelle Literatur, Klassiker und überraschende Entdeckungen zusammenzubringen, um zu zeigen, wie viel Gegenwart in Büchern steckt.
Vielen Dank für das Interview!









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