„Da standen die Bosse der US-Big-Tech-Konzerne aufgereiht hinter dem Präsidenten. Und spätestens in diesem Moment war klar: Die Technologie, die wir alle nutzen, ist nicht neutral, sondern Werkzeug einer gigantischen Machtverschiebung, die unsere Demokratien bedroht.“
Ein Interview mit Björn Staschen über das nominierte Angebot „DI.DAY – Digital Independence Day“
Inmitten von Streaming-Diensten und Plattformen mit Monopolstellung finden sich immer mehr Menschen, die sich von den großen Anbietern verabschieden wollen. Der Digital Independence (DI) Day stellt in Wechselrezepten verpackt Alternativen für die digitale Unabhängigkeit vor und bietet so Lösungsansätze für Interessierte. Der DI.DAY findet jeden ersten Sonntag im Monat statt und wird zusätzlich von Veranstaltungen begleitet.

Wie ist die Idee zu Ihrem Angebot entstanden? Gab es einen konkreten Anlass?
Es gab diesen Moment bei der zweiten Amtseinführung von Donald Trump: Da standen die Bosse der US-Big-Tech-Konzerne aufgereiht hinter dem Präsidenten. Und spätestens in diesem Moment war klar: Die Technologie, die wir alle nutzen, ist nicht neutral, sondern Werkzeug einer gigantischen Machtverschiebung, die unsere Demokratien bedroht. Das hat den Ausschlag gegeben, den DI.DAY zu starten: Viele nutzen die Angebote der Big-Tech-Konzerne in immer mehr Lebensbereichen – von Handel über soziale Vernetzung bis hin zu Textnachrichten oder Büroarbeit –, aber wir können unsere Freiheit zurückbekommen. Ganz einfach, indem wir die Angebote der Monopolisten weniger nutzen.
Der DI.DAY zeigt mit einfachen “Wechselrezepten“, wie wir unseren digitalen Alltag Stück für Stück wieder unabhängiger von diesen Plattformen machen können. Und vor Ort gibt es Hilfe und Vernetzung, denn Rebellion macht zusammen viel mehr Spaß!
Was war der größte Erfolgsmoment in der Arbeit, was die größte Herausforderung?
Der erste DI.DAY am 4. Januar war schon ein toller Erfolgsmoment: Über 100 Veranstaltungen in Deutschland. In den kommenden Monaten kamen dann auch Events im Ausland dazu – von Irland über Portugal bis nach Colorado, USA. Mehr als 100.000 Menschen besuchen monatlich unsere Webseite und bleiben im Schnitt über 3 Minuten: Das spricht dafür, dass sie aktiv Rezepte ausprobieren.
Schwierig wird es dann, wenn sich viele beteiligte Organisationen auf bestimmte Empfehlungen einigen müssen: Da gibt es immer welche, die eine noch datenschutzfreundlichere, noch „purere“ Lösung kennen. Aber manchmal ist die eben auch komplizierter, weniger stark genutzt und für viele ohne technischen Sachverstand einfach nicht praktikabel: Wir haben daher einen Fachbeirat gegründet, der uns hilft, die richtige Mitte zwischen „möglichst weit weg von Big Tech“ und „möglichst machbar für viele“ zu finden.
Wie sehen Ihre weiteren Pläne für das Angebot aus?
Am 4. November erscheint unser Digital-Independence-Buch: Dort versammeln sich alle unsere Wechselrezepte, wunderschön illustriert von Florian Biege und mit einem Vorwort von Marc-Uwe Kling und Liedtexten von Dota Kehr. Denn digitale Unabhängigkeit beginnt im Kopf, mit der Frage, welcher Wechsel gerade in mein Leben passt. Wir wollen das Gefühl „Oh, das ist ja gar nicht schwer!“ auch jenseits des Internets vermitteln und mit dem Buch einen Wegweiser in die richtige Richtung und ein Gesprächsangebot bieten.
Gleichzeitig arbeiten wir intensiv daran, gemeinsam mit unserer Community die DI.DAY-Website in möglichst vielen Sprachen zu übersetzen, um so den DI.DAY zu einer globalen Antwort auf die Bedrohung durch Big Tech zu machen.
Vielen Dank für das Interview!










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