„Wir waren uns sicher: Wenn wir diese beiden Welten zusammenbringen, entsteht etwas Besonderes.“
Ein Interview mit Jasmin Käßer über das nominierte Angebot „ARD Game Jam – Classical Edition“
Twitch und Gaming gehen Hand in Hand, aber wie passt klassische Musik dazu? Beim ARD Game Jam – Classical Edition konnten sieben Entwicklerteams innerhalb von 48 Stunden Computerspiele auf Grundlage von Aufnahmen des SWR-Symphonieorchesters programmieren. Dabei entstanden nicht nur kostenfreie Spiele, sondern auch ein abwechslungsreicher Livestream voller partizipativer Möglichkeiten. So treffen beim ARD Game Jam vielfältige Community Beteiligung und digitale Kulturvermittlung aufeinander.

Wie ist die Idee zu Ihrem Angebot entstanden? Gab es einen konkreten Anlass?
Klassische Musik und Gaming? Klingt erst mal nach zwei völlig unterschiedlichen Welten und doch sind beides echte Nerdkulturen. Wir waren uns sicher: Wenn wir diese beiden Welten zusammenbringen, entsteht etwas Besonderes.
Die Idee hinter dem ARD Game Jam entstand aus einer zentralen Frage: Wie können wir als öffentlich-rechtlicher Rundfunk neue Zielgruppen erreichen und Kulturinhalte nicht nur zum Konsumieren, sondern zum Mitgestalten anbieten?
Gaming bietet dafür enormes Potenzial. Hier treffen kreative Köpfe auf engagierte Communities, die nicht einfach nur zuschauen, sondern selbst aktiv werden wollen.
Unsere Idee: Wir bringen Entwickler, Kreative und Gaming-Begeisterte zusammen und geben ihnen 48 Stunden Zeit, eigene Browsergames zu entwickeln. Das Ganze begleiten wir live auf Twitch und YouTube. Die Community kann mitfiebern, mitdiskutieren und mitentscheiden.
Mit der Classical Edition gingen wir noch einen Schritt weiter: Gemeinsam mit einem Ensemble des SWR Symphonieorchesters machten wir klassische Musik zum Ausgangspunkt für neue Spielideen.
Unser Ziel? Kulturvermittlung neu denken. Weg vom reinen Zuschauen, hin zum gemeinsamen Erleben und Gestalten.
Was war der größte Erfolgsmoment in der Arbeit, was die größte Herausforderung?
Einer der schönsten Momente war für uns das Finale. Zu sehen, wie aus ersten Ideen innerhalb von nur zwei Tagen spielbare Games entstanden sind, war unglaublich beeindruckend. Vor allem, weil jedes Team die klassische Musik völlig unterschiedlich interpretiert hat.
Ein weiteres Highlight war die Community. Die Begeisterung im Twitch-Chat, das gemeinsame Mitfiebern und die vielen Reaktionen haben uns gezeigt, welches Potenzial in diesem Format steckt. Dieser Kommentar bringt es auf den Punkt: „Ich kam für die Spiele und blieb wegen der Musik.“
Die größte Herausforderung? Eine mehrtägige Live-Produktion, zahlreiche Beteiligte und ein enges Zeitfenster. Und natürlich die Frage: Funktioniert unsere Idee überhaupt? Kann klassische Musik tatsächlich zum zentralen Element eines Games werden? Die Antwort haben uns die Teams mit ihren Spielen geliefert.
Der ARD Game Jam zeigt, dass es sich lohnt, neue Wege zu gehen: Besonders wenn man mit Menschen arbeitet, die ihr Handwerk Musik und Gaming so lieben und authentisch begeistert vermitteln können.
Wie sehen Ihre weiteren Pläne für das Angebot aus?
Gaming ist für uns weit mehr als ein zusätzlicher Ausspielweg. Es eröffnet völlig neue Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen, Wissen zu vermitteln und Menschen für Themen zu begeistern, mit denen sie sonst vielleicht gar nicht in Berührung gekommen wären.
Der ARD Game Jam hat uns gezeigt, welches Potenzial entsteht, wenn wir Gaming und Kultur mit der Community zusammenbringen. Und genau daran möchten wir anknüpfen. Ein erster Schritt ist, auf die Community einzugehen: Uns haben hunderte Musikwünsche aus der Gamingwelt erreicht, diese wollen wir in einem neuen Format mit unseren Musiker*innen im September kommenden Jahres aufnehmen und dabei auch die Klassik wieder einbinden.
Die Spiele aus den bisherigen Game Jams bleiben kostenlos zugänglich und können auch nach den Live-Events ausprobiert werden.
Vielen Dank für das Interview!










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