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22. Februar 2024/inThema, Vorschläge, Websites

Die Faktenchecks der ARD

Analyse und Bewertung des ARD-faktenfinder

Allgemeine Informationen

URL
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/

Wer macht das Angebot?
Tagesschau.de-Mitarbeiter*innen. Projektleiter war bis Frühjahr 2022 der Journalist, Buchautor und tagesschau.de-Mitarbeiter Patrick Gensing.

Eigenbeschreibung
„Die faktenfinder – das Verifikationsteam der ARD – untersuchen Gerüchte, stellen Falschmeldungen richtig und liefern Hintergründe zu aktuellen Themen.“ (Meta-Beschreibung Website, Stand 14.10.2022)

Finanzierung
Rundfunkbeitrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio

Seit wann besteht das Angebot?
April 2017 (s. meedia.de)
Seit 01.04.2021 gibt es zudem den faktenfinder-Podcast (s. presseportal.de).

Themen der Faktenchecks und weitere Informationen

Insgesamt 74 Faktenchecks der ARD erschienen in dem untersuchten Jahr, im Durchschnitt gab es also alle 5 Tage einen neuen. Wie bei allen untersuchten Faktenchecks liegt der Schwerpunkt – wenig verwunderlich – auf den Themen Corona-Pandemie (34 Checks) und Ukraine-Krieg (24, siehe die Abbildung unten: „ARD-faktenfinder – Themen“).

Bei den Corona-Meldungen überwiegt das Thema „Impfung“ (die Hälfte aller Corona-Meldungen), die weiteren 17 verteilen sich auf Berichte zu Kritiker*innen und Leugner*innen der Corona-Pandemie, aber auch zu einzelnen Äußerungen von Karl Lauterbach (heute Gesundheitsminister).

Die Faktenchecks zum Krieg Russlands gegen die Ukraine sind thematisch ausgeglichener verteilt: Es geht um Kriegsbilder aus der Ukraine (dabei teilweise um die Frage von deren Echtheit oder Inszenierung), um Biolabore, um einzelne Personen und ihre Aussagen (Wladimir Putin, Annalena Baerbock, Friedrich Merz) und um den Einsatz bestimmter Waffen.

Weitere Themen sind:

  • Affenpocken: Gezielte Pläne zur Dezimierung der Bevölkerung durch eine „handgemachte“ Pandemie, Stigmatisierung von Menschen mit Hautveränderungen (angeblich Affenpocken)
  • Energie/-krise: Gefälschtes Schreiben einer städtischen Behörde zum Energiesparen (Zwang und Strafandrohung)
  • Kindesentführungen in Schweden durch die Behörden
  • Klima: u.a. Windkraft, Waldbrände und Manipulation der tagesschau-Wetterkarte
  • Medien: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Frankreich, eine missverständliche Twitter-Meldung, gefälschte Nachrichtenseiten
  • Medizin: Deutsches Rotes Kreuz und die Verwendung der Blutspenden
  • Migration: Ziehen die finanziellen Unterstützungen in Deutschland Menschen aus vielen Ländern an?
  • Rechtspopulismus: Fragen zum Verhalten des Musikers Xavier Naidoo und dem früheren Vorsitzenden der „Bild“-Chefredaktionen, Julian Reichelt
ARD-faktenfinder – Themen

ARD-faktenfinder – Themen

Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 gingen die Beiträge zu Corona deutlich zurück und die Checks zum Ukraine-Krieg nehmen deutlich zu (siehe Abb. ARD-faktenfinder – Themen im Verlauf des untersuchten Jahres) – zu den Ursachen siehe das Fazit des Gesamtartikels.

Hinzu kommt, wie die Abbildung 2 zumindest andeutet, dass die Anzahl der Faktenchecks beim ARD-faktenfinder insgesamt seit Mai 2022 abgenommen hat: Erschienen von November 2021 bis April 2022 durchschnittlich knapp 8 pro Monat, so sind es von Mai bis September nur noch etwas mehr als 4.

ARD-faktenfinder – Hauptthemen im Verlauf des untersuchten Jahres

ARD-faktenfinder – Hauptthemen im Verlauf des untersuchten Jahres

Aufbereitung und Bewertung der Faktenchecks

Dieser Artikel zum ARD-faktenfinder ist, wie oben erwähnt, Teil des Gesamtartikels „Wahrheit, Fehler, Fake? – Die Faktenchecks“. Die folgende Bewertung der ARD-Faktenchecks zu einzelnen Themen erfolgt im Vergleich mit anderen Checks zu jeweils demselben Thema. Dazu und zu den einzelnen Themen sind weitere Informationen in der Einleitung zum Gesamtartikel zu finden.

Die Faktenchecks der ARD sind unterschiedlich lang. Beim Thema „ImpfSurv-Studie / Prof. Harald Matthes“ stellen sie mit fast 9.300 Zeichen (inkl. Leerzeichen) den mit Abstand ausführlichsten, beim Thema „Wetterkarte der ARD-Tagesthemen“ den kürzesten Check.

Thema: „ImpfSurv-Studie / Prof. Harald Matthes“ (zum ARD-Faktencheck)
Bei der Untersuchung der Studie von Prof. Harald Matthes nennt der ARD-faktenfinder die wichtigsten Gegenargumente: die ungeeignete Datenbasis, die ungenaue Datenerhebung, eine fragwürdige Methodik, unsichere Vergleiche mit anderen Studien, Widerspruch zu anderen Studien, nicht schlüssige Definitionen, mangelnde Transparenz: Auswertung nicht offengelegt), einige Faktenchecks nennen aber noch weitere (Studie noch nicht abgeschlossen, fehlende Kontrollgruppe, Verfasser kein Fachmann auf diesem Gebiet).

Die Ergebnisse der Umfrage und die Folgerungen von Prof. Matthes daraus werden kurz vorgestellt, die Widerlegung erfolgt recht ausführlich und tiefgehend. Es wurden mehrere Fachleute zu einzelnen Punkten befragt: Direkt oder indirekt Beteiligte von der Charité, v.a. der Infektiologe und Leiter der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie, Leif Erik Sander, und vom Paul-Ehrlich-Institut, das von Matthes beschuldigt wurde, zu geringe Fallzahlen von schweren Impfnebenwirkungen angegeben zu haben. Auch ein Fachmann für Statistik wird herangezogen. Positiv zu bewerten ist zudem der Versuch, dem Ersteller der „ImpfSurv-Studie“ die Möglichkeit einer Stellungnahme zu geben.

Thema „Wetterkarte der ARD-Tagesthemen“ (zum ARD-Faktencheck)
Der, wie oben ausgeführt, relativ kurze Faktencheck zum Thema „Wetterkarte der ARD-Tagesthemen“ erläutert den Vorwurf der Manipulation ausführlich, die Widerlegung fällt relativ knapp aus und führt dazu lediglich eine Aussage von Silke Hansen, Leiterin der Wetterredaktion des Hessischen Rundfunks und des ARD-Wetterkompetenzzentrums, an. Ein paar unabhängige Stimmen zu einer Anschuldigung, die die ARD selbst betrifft, hätten dem ARD-Faktencheck gutgetan. Der CORRECTIV.Faktencheck bspw. beruft sich auf weitere Fachleute.

Thema „Krieg in der Ukraine“ (mehrere ARD-Faktenchecks, s. folgenden Text)
Den so genannten Mainstream-Medien, also den öffentlich-rechtlichen Sendern und anderen großen Medien, wird von vielen so genannten Querdenkern und rechtsgerichteten Personen und Medien oft eine unkritische, pro-ukrainische Haltung vorgeworfen. Wie sieht das bei den Faktenchecks des ARD-faktenfinders aus?

Es gibt verschiedene Artikel, die den Wahrheitsgehalt russischer Behauptungen untersuchen. Das bekannteste Beispiel – und auch geprüft in einem Faktencheck der ARD – ist sicherlich die Unterstellung Russlands, dass die Videos der Gräueltaten an Ukrainer*innen in der Stadt Butscha, die unter russischer Besatzung stand, inszeniert oder gefälscht seien.

Doch es gibt im ARD-faktenfinder auch Nachforschungen, die zumindest nicht ausschließen, dass auch von ukrainischer Seite Verbrechen begangen wurden und werden. So fragt beispielsweise der Faktencheck „Angeblich Chemiewaffe eingesetzt – Was zur Lage in Mariupol bekannt ist“ vom 12.04.2022 nach dem Wahrheitsgehalt der Äußerungen des ukrainischen Militärs, dass in Mariupol Chemiewaffen eingesetzt worden seien. Im Artikel wird betont, dass der Einsatz nicht bestätigt werden könne. Im „Videos aus der Ukraine – Auf der Spur von Kriegsverbrechen“ vom 31.03.2022 wird u.a. ein Video untersucht, in dem ukrainische Soldaten russischen Kriegsgefangenen in die Beine schießen. Dass dies passiert sein könne, wird zumindest nicht ausgeschlossen.

Der Faktencheck „Ukraine zeigt Gefangene – Verstoß gegen Genfer Abkommen?“ (04.03.2022) geht der Frage nach, ob die Veröffentlichung etlicher Videos von russischen Soldaten durch die Ukraine gegen die Genfer Konventionen verstößt. Auch dies sei nach Aussagen von Experten nicht auszuschließen.

Diese Beispiele zeigen, dass die ARD-Faktenchecker*innen durchaus auch die „Fakten“ der ukrainischen Seite „unter die Lupe“ nehmen. Allerdings wäre an der einen oder anderen Stelle ein zusätzlicher Hinweis, dass in einem Krieg die Aussagen und Darstellungen einzelner Situationen beider Kriegsparteien mit Vorsicht zu bewerten seien, vonnöten. In dem Faktencheck „Krieg in den sozialen Medien – Erst denken, dann teilen“ (01.03.2022) wird dies nicht erwähnt: Die Rede ist ausschließlich von Fälschungen der russischen Seite.

Fazit
Trotz der (wenigen) Kritikpunkte können u.E. die Faktenchecks der ARD insgesamt als zuverlässige Informationsquelle mit guter Argumentation angesehen werden.

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