GOA-Blog
  • Start
  • Rückblick
    • GOA 2023
    • GOA 2022
    • GOA 2021
    • GOA 2020
    • GOA 2019
    • GOA 2018
    • GOA 2017
    • GOA 2016
    • GOA 2015
    • GOA 2014
    • GOA 2013
    • GOA 2012
  • Newsletter
    • Anmeldung
    • Abmeldung
  • Impressum
  • Über das Blog
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü
Grimme Online Award

Das große Stigma der Gesellschaft

Screenshot der Webreportage "Was heißt schon arm?"
Screenshot der Webreportage "Was heißt schon arm?"
Screenshot der Webreportage „Was heißt schon arm?“

Wann gilt man in Deutschland eigentlich als arm? Wie aussagekräftig sind Armutsstatistiken? Das haben sich auch Britta Kollenbroich und Florian Diekmann gefragt und sich für Spiegel Online deshalb auf die Suche nach Protagonisten gemacht, die ihre Geschichten erzählen. Drei Lebensgeschichten, die unterschiedlicher und verblüffender nicht sein könnten, belegen dabei, dass arm nicht gleich arm ist und dass Statistik und subjektives Lebensgefühl nicht unbedingt übereinstimmen müssen. „Was heißt schon arm?“ ist in der Kategorie „Wissen und Bildung“ für den Grimme Online Award 2017 nominiert. Autor Florian Diekmann erzählt im Interview von einem Projekt, welches jeden zum Nachdenken anregen sollte. Es betrifft nämlich uns alle.

Wie entstand die Idee zu dem Projekt? Welche Intention steckt dahinter?

Bei Spiegel Online berichten wir regelmäßig über die Armutsstatistiken, welche nach nur einem einzigen Kriterium gemessen wird – dem Einkommen. Wenn man weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens hat, gilt man als arm. Die Einkommensgrenze für alle deutschen Bundesländer ist gleich, egal, ob jemand in München lebt oder auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Lebenshaltungskosten geringer sind. Diese Kritik kannten wir. Deshalb hat uns interessiert, ob es noch andere Ansätze gibt, Armut statistisch zu erfassen. Nach unseren Recherchen waren wir verblüfft darüber, wie viele Menschen nach der gängigen Methode als arm gelten, aber gar nicht arm sind. Ebenso gelten viele Menschen auf einmal als arm, die vorher nicht als arm galten. In genau diesen Grenzbereich wollten wir reinschauen und klären, was Armut eigentlich konkret bedeutet und wie sie sich am besten messen lässt.

Wie würden Sie die Art der Darstellungsweise des Projektes beschreiben? Sie benutzen ja eine reiche Palette an audiovisuelle Darstellungsformen. Wieso?

Von Text, über viele Fotos bis hin zu Videos, in denen die betroffenen Protagonisten zu Wort kommen, ist alles mit dabei. Das Wichtigste ist für uns aber die Erkläranimation, um das sehr sperrige und komplexe Thema, wie sich Armut eigentlich bemessen lassen kann, leicht und verständlich darzustellen. Zum Schluss gibt es noch einen interaktiven Teil, in dem jeder Leser selber anhand von den verschiedenen Messmethoden herausfinden kann, ob er vielleicht als arm gilt oder nicht. Der Leser soll einen wirklichen Eindruck darüber bekommen, was es konkret im Alltag bedeutet, mit Armut konfrontiert zu werden, auch wenn man sich nicht als arm fühlt. Das leisten natürlich die Fotos und Videos, in denen die Betroffenen selbst zu Wort kommen, hervorragend. Die Leser verstehen dadurch die Situation besser.

Florian Diekmann, einer der Autoren der Reportage; Foto: Grimme-Institut / Arkadiusz Goniwiecha

Florian Diekmann, einer der Autoren der Reportage; Foto: Grimme-Institut / Arkadiusz Goniwiecha

Wie messen Sie hierbei Armut? Anhand von Zahlen oder der persönlichen Einstellung?

Es ist eine Mischung aus beidem. Wichtig ist uns aber, dass diese anderen Formen der Armutsmessung nicht allein auf Gefühl beruhen, sondern es geht schon darum, empirisch statistisch verlässliche Zahlen zu bekommen. Es bringt nichts, nur auf die Antwort der Frage, wie hoch das Haushaltseinkommen ist, zu schauen. Fragen wie „Wie viel Wohnfläche haben Sie? Hat jedes Familienmitglied ein eigenes Zimmer? Wie ist der Gesundheitszustand?“ fließen auch mit ein, wobei es sich natürlich um subjektive Fragen mit subjektiven Antworten handelt.  Trotzdem hat diese Form der Armutsmessung nichts mit einer subjektiven Einschätzung zu tun. Sie ist tatsächlich empirisch belastbar.

Wie unterscheiden sich die Protagonisten und ihre Geschichten voneinander?

Uns hat selber überrascht, wie sehr sie sich voneinander unterscheiden und wie gut das zu unserem Projekt gepasst hat. Wir haben bewusst ergebnisoffen nach Protagonisten gesucht. Wir wollten nicht von vorneherein genau definieren, wie die Lebensumstände aussehen, die wir beschreiben wollten und haben deshalb an viele Stellen sehr allgemeine Anfragen gerichtet. Andernfalls besteht die Gefahr, eigentlich nur die Geschichten zu erzählen, die man bereits im Kopf hatte. Im Endeffekt haben wir dann drei bekommen, die sehr exemplarisch für verschiedene Konstellationen stehen. Wir haben jemanden, der nach allen Armutsmessungen arm ist und sich auch arm fühlt.  Wir haben eine Frau, die nach der Armutsmessung arm ist, sich aber überhaupt nicht arm fühlt und sagt: „Ich habe alles, was ich brauche, die Menschen in wirklich armen Ländern haben das nicht.“ Und dann haben wir eine Familie, die nach keiner statistischen Definition als arm gelten würde und auch diese sagt, „wir sind natürlich nicht arm“. Aber sie kommen trotzdem gerade so über die Runden, und das auch nur, weil beide Elternteile extrem gut funktionieren. Konkret bedeutet es, dass der Vater zum Beispiel jedes Tag, auch im Winter, 15 Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt und zurück, weil die Familie sich kein zweites Auto leisten könnte. Sie halten ihre eigenen Hühner in ihrem eigenen Garten. Und wenn einer von den beiden Elternteilen nicht so gut funktionieren würde, würden sie mit ihren vier Kindern, die sie inzwischen haben, einige Armutskriterien erfüllen. Insofern unterscheiden sich die Protagonisten sehr stark voneinander.

Screenshot der Webreportage "Was heißt schon arm?"

Screenshot der Webreportage „Was heißt schon arm?“

Benötigt das Thema „Armut“ Ihrer Meinung nach in der heutigen Zeit noch Aufklärung?

Unsere Erfahrung aus der Redaktion durch Leserbriefe oder Kommentarspalten ist, dass es da eine Zweiteilung gibt als Reaktion. Die einen tendieren in die Richtung, dass es zu viel Armut gibt in diesem Land und dass unsere Politik komplett versagt hat. Die anderen tendieren dazu, das Thema komplett zu verharmlosen à la „so lange jemand nicht verhungern muss und ein Dach über dem Kopf hat, gibt es keine Armut in Deutschland“. Beide Haltungen sind verkürzt und falsch. Armut ist ein wesentlich komplexeres Phänomen, als nur kein Geld zu besitzen. Das ist wenigen bewusst. Es ist sehr wichtig, dass es ins Bewusstsein vieler Menschen und nicht nur in die Politik gerät. Erst, wenn den Menschen bewusst wird, was es eigentlich bedeutet, arm zu sein, kann man anfangen, Lösungen zu entwickeln, die den Betroffenen auch wirklich helfen.

Haben Sie mit diesem Projekt ein Ziel verfolgt, welches Sie hoffen, erfüllt zu haben oder noch erfüllen möchten?

Ja, unser Ziel war es tatsächlich, einen Anstoß zu geben, darüber nachzudenken, wie komplex Armut eigentlich ist. Ein bisschen auch vielleicht den Anstoß zu geben, selber zu gucken, ob man nicht in der eigenen Umgebung im Ort persönlich ein bisschen etwas tun kann. Vor allem aber auch im Hinterkopf zu haben, wenn es zum Beispiel jetzt im Bundestagswahlkampf darum geht, die Forderungen und Positionen der Parteien zu vergleichen und sich jedes Mal zu überlegen, ob das wirklich dem schlechter Gestellten in unserer Gesellschaft hilft? Oder ist es vielleicht doch nur eine Forderung ist, die eigentlich wieder nur denjenigen hilft, die stark genug sind und die nicht noch zusätzlich eine Förderung bräuchten?

Das Interview führten Kathrin Krok und Selin Yazicilar.

Die Interviews mit den Nominierten und die Videos sind im Rahmen eines Medienpraxis-Seminars an der Universität zu Köln entstanden.

20. Juni 2017/0 Kommentare/von Seminar Grimme Online Award 2017
Schlagworte: Armut, Armut Deutschland, Florian Diekmann, Nominierte 2017, Spiegel, Webreportage
https://www.goa-blog.de/wp/wp-content/uploads/2017/06/Screenshot_1_Was-heißt-schon-arm.png 894 1280 Seminar Grimme Online Award 2017 https://blog2.grimme-online-award.de/wp/wp-content/uploads/2024/04/logo-ein-pixel-blind.gif Seminar Grimme Online Award 20172017-06-20 10:00:452020-01-20 12:39:31Das große Stigma der Gesellschaft
Das könnte Dich auch interessieren
Jürgen Krüger (l.) und Johannes Wöpkemeier (r.), die einen Einblick in das Jahrhundertprojekt A30-Nordumgehung geben. Foto: Maximilian Harre Überfüllte Straße oder Autobahn im Vorgarten?
Screenshot: Einstieg in die erste Web-Doku “Monopoly der Weltmeere“ Die Faszination der Weltmeere
Neues Seminargebäude der Uni zu Köln Von Wiederholungstätern und Opern-Neulingen
Credit: Facebookgruppe #ichbinhier Konstruktiv diskutieren im Netz
Producer Georg Tschurtschenthaler, Autorin Hannah Kappes, Producerin Tanja Schmoller, Medienpädagogin Birgit Marzinka(Agentur für Bildung e.V.), Youtuber Jakob Gentsch. Foto: #uploading_holocaust Information auf Augenhöhe
Die Köpfe hinter dem Youtube Channel "Datteltäter" Muslimische Satire auf Youtube
Screenshot der Website "piqd - handverlesenswert". Journalismus ohne laute Töne
Screenshot: ninette.berlin. Foto: Interactive Media Foundation gGmbH Dünn ist nicht dünn genug
0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Beitragsformate des Blogs:

Netzblicke
Thema
Interviews

Rund um den GOA-Preis:

Einreichungen/Vorschläge
Nominierte
Preisträger
Nominierungskommission/Jury

Online-Formate allgemein:

Websites
Podcasts
Social Media
Apps
Newsletter
Videos
Games

Schlagwörter

#fürdiversity #GOA21 #GOA22 Adventskalender 2017 Adventskalender 2020 Adventskalender 2021 ARTE Blog Datenjournalismus DDR Geschichte Grimme-Institut Grimme-Preis Instagram Journalismus Jugendliche Kategorie Information Kategorie Kultur und Unterhaltung Kategorie Spezial Kategorie Wissen und Bildung Kinder Kunst Medienkompetenz Nominiert 2023 Nominiert 2024 Nominierte Nominierte 2015 Nominierte 2016 Nominierte 2017 Nominierte 2018 Nominierte 2019 Nominierte 2020 Nominierte 2021 Nominierte 2022 Nominierung Nominierungskommission Podcast Politik TikTok Vorschläge Vorschläge 2020 Vorschläge 2021 WDR Wettbewerb YouTube

Neueste Beiträge

  • Zwischen Qualitätsdiskurs und Zeitenwende: Eindrücke von der re:publica 202627. Mai 2026 - 12:24
  • 25 Jahre Grimme Online Award21. Oktober 2025 - 16:31
  • Expertise in Social Media: Die Nominierten 20256. Oktober 2025 - 16:20
  • Lernen aus historischen Quellen: Die Nominierten 202530. September 2025 - 14:46

Wichtige Links

  • DATENSCHUTZ
  • Grimme Online Award
  • Der GOA auf YouTube
  • GOA – Bildmaterial auf Flickr
  • Grimme-Institut
  • Grimme-Institut bei LinkedIn
  • Grimme-Institut auf Instagram

Aktuelle Schlagwörter

Nominiert 2024 Faktencheck, Instagram, Klimawandel, Medienkompetenz, Medienpädagogik, ÖRR, Schule, TikTok

Neueste Kommentare

  • GrowaGardencodes zu KI-Sonderpreis: Die Nominierten 2025
  • Tennis zu KI-Sonderpreis: Die Nominierten 2025
  • basketbros zu Zwischen Stimmen und Streams
© Copyright - GOA-Blog - Enfold WordPress Theme by Kriesi
Link to: “Bist du bereit für deine News?“ Link to: “Bist du bereit für deine News?“ “Bist du bereit für deine News?“Screenshot: Resi stellt sich vor Link to: Jubel, Applaus, Rezepte für Schwarzwälder-Kirsch und am Ende das Double – #GOA17 Link to: Jubel, Applaus, Rezepte für Schwarzwälder-Kirsch und am Ende das Double – #GOA17 Jubel, Applaus, Rezepte für Schwarzwälder-Kirsch und am Ende das Double –...
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen