GOA-Blog
  • Start
  • Rückblick
    • GOA 2023
    • GOA 2022
    • GOA 2021
    • GOA 2020
    • GOA 2019
    • GOA 2018
    • GOA 2017
    • GOA 2016
    • GOA 2015
    • GOA 2014
    • GOA 2013
    • GOA 2012
  • Newsletter
    • Anmeldung
    • Abmeldung
  • Impressum
  • Über das Blog
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü
20. September 2024/inInterviews, Nominierte

„(…) eine bislang beispiellose Chance“

Ein Interview mit Sebastian Meineck über die Databroker-Files-Recherche

Die Databroker Files zeigen am konkreten Beispiel, wie sich der teils unkontrollierte Datenhandel der Online-Werbeindustrie zu einer Gefahr für den Datenschutz von Millionen von Bürger*innen entwickelt – von Bewegungsprotokollen einzelner Personen bis hin zur Gefährdung der nationalen Sicherheit Deutschlands. Besondere datenjournalistische Aufbereitungen wie das BR-Webspecial „Wohnort, Arbeit, ausspioniert“ erschließen die für den Grimme Online Award nominierte Recherche von netzpolitik.org und dem BR hierbei für die breite Öffentlichkeit. Das Goa-Blog hat dazu den Journalisten und Redakteur bei netzpolitik.org, Sebastian Meineck, interviewt.

Screenshot der Netzpolitik.org-Website zu den Databroker Files

Screenshot der Netzpolitik.org-Website zu den Databroker Files

Wie ist die Idee zu Ihrem Angebot entstanden? Gab es einen konkreten Anlass?

Fachleute warnen schon lange davor, wie gefährlich das Geschäft mit personenbezogenen Daten ist. Woran es in Deutschland bislang mangelte, waren Beispiele dafür, wie eng uns Datenhändler auf die Pelle rücken: wie intim die Einblicke durch die Daten sind, wie einfach sie sich beschaffen lassen.

Im Januar 2024 bekamen wir einen Tipp, um genau darüber mehr herauszufinden. Der Investigativ-Journalist Eric van den Berg vom niederländischen Radiosender BNR Nieuwsradio berichtete von einem Datenmarktplatz aus Berlin, der Kontakt zu Datenhändlern vermittelt. Diese Händler hatten ihrerseits detaillierte Standortdaten von Millionen Handy-Nutzer:innen im Angebot.

Für netzpolitik.org war klar: Das ist eine bislang beispiellose Chance, die Missstände beim Handel mit Standortdaten aus Deutschland aufzudecken. Wir folgten den Hinweisen des niederländischen Kollegen und bemühten uns auf dem Datenmarktplatz um entsprechende Daten – und wir hatten Glück. Von einem US-Händler erhielten wir einen kostenlosen Vorschau-Datensatz mit 3,6 Milliarden Standortdaten von bis zu 11 Millionen Handys in Deutschland, gesammelt via Handy-Apps. Bloß, wie sollten wir einen derart umfangreichen Datensatz effizient untersuchen? So entstand die Kooperation mit dem Datenteam des Bayerischen Rundfunks, die sich im Umgang mit gigantischen Datensätzen bestens auskennen.

Was war der größte Erfolgsmoment in der Arbeit, was die größte Herausforderung?

Die Recherche war voller Herausforderungen. Am Anfang stand der gewagte Versuch, überhaupt derart sensible Standortdaten per gratis Kostprobe von einem Datenhändler zu erhalten – und dass, nachdem es genau deshalb bereits kritische Berichterstattung in den Niederlanden gab.

Wir hatten uns entschieden, zunächst mit offenem Visier auf dem Datenmarkt unterwegs zu sein: Mit Klarnamen und beruflicher E-Mail-Adresse. Mehrere Datenhändler waren deshalb besonders vorsichtig und wollten keine Daten herausrücken. Aber ein US-Händler tat es doch – ein enormer Erfolgsmoment.

Die zweite große Herausforderung bestand darin, die 3,6 Milliarden Standortdaten effizient zu sichten. Mehrere Wochen Arbeit flossen in ein internes Recherche-Tool mit grafischer Nutzeroberfläche. Durch dieses Tool konnten wir gezielt bestimmte Orte und bestimmte Handy-Kennungen recherchieren. Immerhin ging es darum, zu prüfen, ob die Daten wirklich echt und aussagekräftig sind. Finden wir Personen aus sensiblen Bereichen der nationalen Sicherheit? Können wir sie mithilfe ihrer Handy-Standorte namentlich identifizieren? Nach einiger Sucharbeit konnten wir das bejahen.

Ein besonderer Recherche-Erfolg war die Identifizierung einer Person, die sich für ein Bundesministerium in hoher Position mit Fragen der Sicherheit befasst sowie die Spur einer Person, die mutmaßlich für die NSA tätig ist.

Welche Resonanz gab es auf Ihr Angebot und wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?

Die Resonanz auf die „Databroker Files“ war groß. Der Verbraucherzentrale Bundesverband forderte ein Verbot von Tracking zu Werbezwecken. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz betonte, diese Art von Datenhandel sei nicht mit dem Datenschutzrecht vereinbar.

Die zu diesem Zeitpunkt designierte Bundesdatenschutzbeauftragte Louisa Specht-Riemenschneider sprach im Kontext von Datenmarktplätzen von einer „Rechtsschutzlücke“. Konstantin von Notz (Grüne), Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums und Bundestagsabgeordneter, sprach von einem „unhaltbaren Zustand“. Katharina Barley (SPD), Vizepräsidentin des EU-Parlaments, sprach von einer „klaffenden Lücke“ beim Schutz personenbezogener Daten. Der demokratische US-Senator Ron Wyden schaltete das Pentagon ein. Und zahlreiche Menschen nutzten unseren „Databroker Checker“ – das ist ein datensparsames Tool, mit dem man prüfen kann, ob das eigene Handy in unserem Datensatz auftaucht. Einige meldeten sich mit positiven Treffern zurück.

All diese Reaktionen geben uns viel Motivation, die Recherchen fortzusetzen. Denn ohne zu viel verraten zu wollen: Dieser eine Datensatz mit den 3,6 Milliarden Standortdaten, über den wir berichtet haben – das ist nicht der einzige, der uns vorliegt.

Vielen Dank für das Interview!

Weitere Interviews

  • alle Nominierten-Interviews zum Grimme Online Award 2024
0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Beitragsformate des Blogs:

Netzblicke
Thema
Interviews

Rund um den GOA-Preis:

Einreichungen/Vorschläge
Nominierte
Preisträger
Nominierungskommission/Jury

Online-Formate allgemein:

Websites
Podcasts
Social Media
Apps
Newsletter
Videos
Games

Schlagwörter

#fürdiversity #GOA21 #GOA22 Adventskalender 2017 Adventskalender 2020 Adventskalender 2021 ARTE Blog Datenjournalismus DDR Geschichte Grimme-Institut Grimme-Preis Instagram Journalismus Jugendliche Kategorie Information Kategorie Kultur und Unterhaltung Kategorie Spezial Kategorie Wissen und Bildung Kinder Kunst Medienkompetenz Nominiert 2023 Nominiert 2024 Nominierte Nominierte 2015 Nominierte 2016 Nominierte 2017 Nominierte 2018 Nominierte 2019 Nominierte 2020 Nominierte 2021 Nominierte 2022 Nominierung Nominierungskommission Podcast Politik TikTok Vorschläge Vorschläge 2020 Vorschläge 2021 WDR Wettbewerb YouTube

Neueste Beiträge

  • Zwischen Qualitätsdiskurs und Zeitenwende: Eindrücke von der re:publica 202627. Mai 2026 - 12:24
  • 25 Jahre Grimme Online Award21. Oktober 2025 - 16:31
  • Expertise in Social Media: Die Nominierten 20256. Oktober 2025 - 16:20
  • Lernen aus historischen Quellen: Die Nominierten 202530. September 2025 - 14:46

Wichtige Links

  • DATENSCHUTZ
  • Grimme Online Award
  • Der GOA auf YouTube
  • GOA – Bildmaterial auf Flickr
  • Grimme-Institut
  • Grimme-Institut bei LinkedIn
  • Grimme-Institut auf Instagram

Aktuelle Schlagwörter

Nominiert 2024 Faktencheck, Instagram, Klimawandel, Medienkompetenz, Medienpädagogik, ÖRR, Schule, TikTok

Neueste Kommentare

  • GrowaGardencodes zu KI-Sonderpreis: Die Nominierten 2025
  • Tennis zu KI-Sonderpreis: Die Nominierten 2025
  • basketbros zu Zwischen Stimmen und Streams
© Copyright - GOA-Blog - Enfold WordPress Theme by Kriesi
Link to: „Die Entdeckung des kreativen Nachlasses von Curt Bloch traf mich wie ein Blitz!“ Link to: „Die Entdeckung des kreativen Nachlasses von Curt Bloch traf mich wie ein Blitz!“ „Die Entdeckung des kreativen Nachlasses von Curt Bloch traf mich wie...Screenshot der Website curt-bloch.com Link to: Aktuelles: Neue Studien zur Mediennutzung Link to: Aktuelles: Neue Studien zur Mediennutzung Jugendlicher mit seinem Smartphone; Bild: Michael SchnellAktuelles: Neue Studien zur Mediennutzung
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen