„Gemeinsam schaffen beide nun AHA-Momente, in denen aus einzelnen Hinweisen plötzlich ein größeres Bild entsteht und Weltwissen nicht wie Lernen, sondern wie Entdecken wirkt.“
Ein Interview mit Julia Dreifuss über den nominierten YouTube-Kanal „GeoGoatGG“
Anhand des Fotos einer Laterne die genaue Location in der Welt erkennen? Das ist Geoguessing! In Kurzvideos zeigt der YouTube-Kanal GeoGoat geographische Zusammenhänge und erklärt nerdige Geo-Fakten über unbekannte Orte oder Grenzverläufe. Die Community ist direkt mit eingebunden und kann eigene Fotos zum Geoguessing einschicken. Spielerisch wird eine neue Zielgruppe für ein Bildungsangebot angesprochen, dass Wissen und Unterhaltung durch Geografie vereint.

Wie ist die Idee zu Ihrem Angebot entstanden? Gab es einen konkreten Anlass?
Die Idee, aus der später GeoGoat hervorging, entstand tatsächlich schon einige Jahre vor unserem Formatstart. Ausgangspunkt war damals eine journalistische Recherche eines funk-Formats, bei der GeoGuessr-Weltmeister Kodiak half, einen Dating-Betrüger anhand von Fotos aufzuspüren, die dieser zuvor an seine Opfer geschickt hatte. Dabei wurde deutlich, welches Potenzial in der Fähigkeit steckt, anhand einzelner Bilder Orte zu identifizieren und daraus Hinweise auf geografische, gesellschaftliche und kulturelle Kontexte zu gewinnen. Das zeigte sich dann auch in der starken Resonanz – die Zuschauenden waren fasziniert von dieser Art der digitalen Spurensuche!
Die Frage, die danach im Raum stand, war deshalb recht naheliegend: Lässt sich aus dieser Faszination eventuell mehr machen als dieser einzelne Rechercheansatz?
Als wir 2024 dann die Möglichkeit bekamen, ein neues Geografie-Format für funk zu entwickeln, haben wir diesen Impuls wieder aufgegriffen. Während der Formatentwicklungsphase wurde uns aber klar, dass die Stärke nicht nur darin liegt, Orte zu finden, sondern deren Zusammenhänge und Geschichten dahinter sichtbar zu machen. Genau daraus entwickelte sich schließlich das heutige Host-Duo: Mit Lonell kam eine zweite Perspektive hinzu, die gesellschaftliche und popkulturelle Themen sowie eigene Analysen ins Format einbringt und den Blick auf die Welt weit über GeoGuessing hinaus erweitert. Gemeinsam schaffen beide nun AHA-Momente, in denen aus einzelnen Hinweisen plötzlich ein größeres Bild entsteht und Weltwissen nicht wie Lernen, sondern wie Entdecken wirkt.
Was war der größte Erfolgsmoment in der Arbeit, was die größte Herausforderung?
Einer unserer größten Erfolgsmomente war zunächst eine echte Herausforderung. Wir haben nach der Formatentwicklung mit Kodiak eine Videoreihe gestartet, in der er von Zuschauenden Reisebilder bekommen hat und die Länder lokalisieren sollte. Wir standen absolut hinter dem Ansatz, die Reihe entwickelte jedoch zunächst nicht die Dynamik, die wir uns erhofft hatten – es fehlte einfach der WOW-Moment.
Also haben wir die Idee weiterentwickelt, um das Erlebnis für die Zuschauenden zu stärken und den eigentlichen Kern der Faszination, also Kodiaks GeoGuessr-Fähigkeit, noch mehr in den Vordergrund zu rücken. Im ersten Schritt wurde der Schwierigkeitsgrad deutlich erhöht und aus: „In welchem Land war diese Person?“ wurde: „Wo ganz genau war diese Person?“. Zusätzlich haben wir die Guideline gelockert und User konnten uns ab sofort Fotos von überall schicken, nicht nur aus dem Urlaub. Neben einigen weiteren Anpassungen spielte uns dann auch ein neues Plattform Feature auf TikTok und Instagram in die Karten, das die Reihe endgültig zum Erfolg werden lassen sollte: die Funktion, Bilder in den Kommentaren teilen zu können.
Seitdem erreichen uns unter unseren Videos oft hunderte bis tausende Bild-Kommentare, in denen wir als Format herausgefordert werden. Und noch viel schöner, wir konnten eine echte Format-Community aufbauen. Es gibt Personen, die uns regelmäßig Bilder schicken oder sogar die Bildeinreichungen anderer kommentieren und damit selbst zu GeoGuessrn werden. Das macht unheimlich viel Spaß, mitzuverfolgen.
Wie sehen Ihre weiteren Pläne für das Angebot aus?
Wir arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Formats. Dabei helfen uns zum einen die vielen Datensätze aus den unterschiedlichen Plattformen, auf denen GeoGoat veröffentlicht wird. So können wir schnell erkennen, wo noch Potenzial besteht oder was schon richtig gut funktioniert und darauf kurzfristig reagieren.
Viel wichtiger noch ist aber die stetige Auseinandersetzung mit den Interessen und relevanten Themen unserer sehr jungen Kernzielgruppe. Auch künftig soll die Verbindung aus geografischer Spurensuche, Weltwissen und den Geschichten hinter den Orten im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig bleibt unser Anspruch, neue Erzählformen auszuprobieren, aktuelle Themen und Trends aufzugreifen, die junge Menschen in ihrer Lebenswelt erreichen. Unsere Welt verändert sich ständig – und damit natürlich auch die Geschichten, die wir über sie erzählen können.
Darüber hinaus möchten wir unsere enge Community-Bindung weiter ausbauen und neue Wege finden, wie Zuschauende selbst Teil von GeoGoat werden können. Der Kern des Formats bleibt dabei derselbe: echte Neugier auf unsere Welt zu wecken.
Vielen Dank für das Interview!









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