„Obwohl die Rechtslage oft eindeutig ist, müssen wir immer wieder darum kämpfen, dass geltendes Recht auch umgesetzt wird.“
Ein Interview mit Casey Kreer über die nominierte Initiative „BarrierenWatch“
Digitale Barrierefreiheit ist ein Grundrecht. Deshalb setzt sich die Initiative BarrierenWatch dafür ein, digitale Barrieren sichtbar zu machen und zu verändern: Hier können Barrieren gemeldet und Gutachten eingesehen werden. Durch Mitmachaktionen und verschiedene Veranstaltungen arbeitet die Initiative konkret für strukturelle Veränderungen und schafft ein Bewusstsein für Barrieren der digitalen Welt, die Inklusion verhindern.

Wie ist die Idee zu Ihrem Angebot entstanden? Gab es einen konkreten Anlass?
Wir als Menschen mit Behinderung müssen immer wieder feststellen, dass öffentliche Stellen seit Jahren viel Geld für aufwendige Prüfgutachten ausgeben, sich aus unterschiedlichsten Gründen aber trotzdem nur sehr wenig verändert. Wir wollten diese Informationen aus den Bürokraten-Schubladen herausholen und für alle verständlich machen.
Außerdem merken wir immer wieder, wie schwierig es eigentlich ist, Behörden so auf Barrieren aufmerksam zu machen, sodass sie verstehen was gemeint ist, und dass aus einer Meldung tatsächlich auch eine Pflicht für sie folgt. So sehr, dass die großen Selbstvertretungsverbände eigens spezielle Schulungen dafür anbieten. Wir haben diese Expertise und können sie massenhaft zur Verfügung stellen, damit es für die Einzelperson einfacher und für die Behörden schwieriger zu ignorieren wird.
Was war der größte Erfolgsmoment in der Arbeit, was die größte Herausforderung?
Besonders schön ist es, wenn nach unseren Hinweisen und Erinnerungen tatsächlich Barrieren beseitigt werden und Behörden im selben Zug weitere Probleme lösen. Die größte Herausforderung ist die kreative Beharrlichkeit vieler Behörden. Obwohl die Rechtslage oft eindeutig ist, müssen wir immer wieder darum kämpfen, dass geltendes Recht auch umgesetzt wird.
Das betrifft auch diejenigen Behörden, die eigentlich genau dafür da sind. Sie verfügen oft nur über sehr wenige Ressourcen oder setzen durch politische Zwänge leider falsche Prioritäten, die man erstmal erkennen muss, um von außen effektiv dagegen vorzugehen. Umso mehr freut mich, dass wir dabei sehr große Fortschritte machen und inzwischen in den Führungsriegen bekannt sind und von ihnen unterstützt werden.
Wie sehen Ihre weiteren Pläne für das Angebot aus?
Wir wollen BarrierenWatch zu einer zentralen nichtstaatlichen Anlaufstelle für die Durchsetzung von Barrierefreiheit ausbauen. Dazu gehören mehr Transparenz auch in anderen Bereichen, einfachere Möglichkeiten Barrieren zu melden und Rechte einzufordern, und vor allem mehr strategische, rechtliche Durchsetzung zur Not auch vor Gerichten mit Musterprozessen. Unser Ziel ist es, dass unser Zugang als Menschen mit Behinderung nicht länger vom guten Willen einzelner Mitarbeitenden abhängt. Außerdem wollen wir mehr investigativ und journalistisch arbeiten und weitere Missstände in diesem Bereich für die Allgemeinheit aufarbeiten.
Vielen Dank für das Interview!









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