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Spielerisch die virtuelle Welt entdecken

Screenshot:

Screenshot: „KiKANiNCHEN-App“

Wie sieht eine kindgerechte App für die ganz Kleinen aus? Der Kinderkanal „KiKA“ hat mit seiner „KiKANiNCHEN-App“ diese Frage beantwortet. Hier basteln Kinder Tiere und verleihen ihnen eine Stimme oder beschleunigen durch Pusten, Singen und Klatschen diverse Fahrzeuge. Somit zeichnet sich diese App durch ihre Interaktivität aus und bietet den Kindern viel Raum zum Entdecken.

Die „KiKANiNCHEN-App“ ist für den Grimme Online Award 2018 in der Kategorie Kultur und Unterhaltung nominiert. Redaktionsleiter Matthias Franzmann spricht im Interview über die Besonderheiten der App und warum Smartphones für Kinder nicht verteufelt werden dürfen.

Welche Bestandteile muss eine App oder eine Website für die ganz Kleinen Ihrer Meinung nach enthalten?

Sie muss auf jeden Fall auf die Bedürfnisse der Vorschulzielgruppe zugeschnitten sein. Da sie nicht lesen können, sollte sie nicht schriftbasiert sein, sondern lediglich eine Audiosteuerung haben. Zudem sollte Sie explorativ aufgebaut sein, da Vorschüler ja eher daran gewohnt sind, die Welt erst einmal zu entdecken. Wichtig ist auch, dass Erwachsene nicht ständig die Kinder beim Benutzen der App beaufsichtigen müssen.

Wodurch unterscheidet sich die „KiKANiNCHEN-App“ von anderen Angeboten für Kinder?

Wir wollten die App mehr als ein Spielzeug zum Entdecken gestalten, deswegen ist sie nicht edukativ. Durch die App erlernt das Kind spielerisch, dass man in das Gerät reinsprechen kann, dass es Töne aufnimmt oder dass man durch das Wischen von rechts nach links auf die nächste Seite umblättern kann. Zudem trauen wir den Vorschülern mit dieser App mehr im Umgang mit elektronischen Geräten zu, als so manch andere App.

Screenshot:

Screenshot: „KiKANiNCHEN-App“

Inwieweit ist diese App pädagogisch wertvoll? Wurden Pädagogen bei der Produktion eingebunden?

Wir haben das ganze Prozedere der Programmierung der App von der Professorin für Kindheitspädagogik und Kinderkultur Sandra Fleischer und ihren Studierenden der DPFA Hochschule Sachsen begleiten lassen. In der App entwickelt das Kind so eine Art Ich-Gefühl, sodass es die Welt in der App wiedererkennt und „KiKANiNCHEN“ als Spielpartner hat. Die Kinder bekommen selber heraus, worum es geht. Es gibt keine klaren Regeln und kein Richtig oder Falsch. Wir haben uns auch gegen Spiele mit einem Highscore entschieden, sodass es auch zu keiner Frustration kommt. Es war uns wichtig, dass das Kind einfach durch das Ausprobieren Sachen erlernt. Es sind zwar Lerneffekte dahinter, aber die sind nicht so offensichtlich.

Was entgegnen Sie Kritikern, die es grundsätzlich ablehnen, kleinen Kindern Smartphones zu geben?

Kinder werden inzwischen überall mit elektronischen Geräten konfrontiert. Deswegen bieten wir die Möglichkeit auf eine aus unserer Sicht perfekt kindgerechten Art dieses Gerät kennenzulernen. Die App hat keine In-App-Käufe und es gibt keine Werbung.  Zudem hat die App einen integrierten Wecker, wo die Eltern die Spielzeit eintragen können. Das „KiKANiNCHEN“ sagt dann auf eine freundliche Art und Weise, dass es müde ist und sie doch morgen weiterspielen sollten. So kann die tägliche empfohlene maximale Medienzeit von 30 Minuten auch nicht mit dieser App überschritten werden.

Welche Rückmeldung erhalten Sie von Eltern oder vielleicht auch von Pädagogen?

Die Rückmeldung war überwiegend positiv, was uns selber überrascht hat, da wir mit viel mehr negativer Kritik gerechnet haben. Hauptkritikpunkt war, dass es die App nicht auf der Plattform von Amazon gibt und einer Lösung dafür arbeiten wir gerade. Ein anderer Kritikpunkt ist, dass wir Kinder dazu animieren, das Gerät auch zu schütteln, sodass die Kinder dementsprechend auch durch ein Ungeschick das Gerät fallen lasse könnten. Dem entgegen wir indem wir sagen, dass man dem Kind kein superteures Handy in die geben muss, sondern dass auch ältere Geräte dafür geeignet sind.

Matthias Franzmann bei der Bekanntgabe der Nominierung zum Grimme Online Award 2018; Foto: Rainer Keuenhof/ Grimme-Institut

Matthias Franzmann bei der Bekanntgabe der Nominierung zum Grimme Online Award 2018; Foto: Rainer Keuenhof/ Grimme-Institut

Was sollten Eltern und Kinder von dieser App wertvolles mitnehmen können?

Ich glaube es ist wichtig zu erkennen, dass man elektronische Geräte nicht immer verteufeln muss, sondern sie auch neue Möglichkeit bieten können, etwas zu erlernen. Kinder können durch diese App sehr gut die Bedienung elektronischer Geräte verinnerlichen und das auch auf Wunsch mit den Eltern gemeinsam. Wir glauben, dass das so ein Ding ist, an dem man auch gemeinsam Spaß haben kann. Wir hoffen auch, dass Eltern schnell merken, dass es in dieser App keinen falschen Inhalte gibt, die die Kinder zu sehen bekommen könnten. Die Eltern sollen sehen, dass diese App ein geschützter Raum ist, in der ihre Kinder sicher die virtuelle Welt entdecken können.

Das Interview führte Mine Aktas

Die Videos entstanden im Rahmen der medienpraktischen Seminare des Masterstudiengangs International Media Studies (IMS) der DW-Akademie.

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