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Beispiele, Entwicklungen, Grimme Online Award

LeFloid und die Entdeckung des Internets

Florian Mundt, alias LeFloid, bei der Verleihung des Publikumspreises 2014 mit Laudator Lutz van der Horst (r.); Foto: Grimme-Institut/Jens Becker
Florian Mundt, alias LeFloid, bei der Verleihung des Publikumspreises 2014 mit Laudator Lutz van der Horst (r.); Foto: Grimme-Institut/Jens Becker
Florian Mundt, alias LeFloid, bei der Verleihung des Publikumspreises 2014 mit Laudator Lutz van der Horst (r.); Foto: Grimme-Institut/Jens Becker

Es wurde schon alles dazu gesagt – und im Prinzip auch von jedem: #NetzFragtMerkel. LeFloid interviewt Merkel, YouTuber trifft auf Bundeskanzlerin, Netzteenies auf Politik. Aber immerhin war LeFloid 2014 zum Grimme Online Award nominiert und hat den Publikumspreis gewonnen. Vielleicht – so eitel sind wir ja – hat diese Auszeichnung auch ein µ dazu beigetragen, dass es dieses Interview überhaupt gab. Also sagen wir auch einfach mal was dazu.

Eine irritierend kleine Auswahl der Pressestimmen gibt es bei einem anderen Preisträger des Grimme Online Award 2014, dem Pressekompass. Aber selbst hier sieht man, dass sich zwar alle uneins sind, ob Florian Mundt einen guten Job gemacht hat oder nicht, aber alle sind sich einig, dass Angela Merkel von dem Interview profitiert hat.

Botschaft gesendet

Stimmt auch, denn das Ziel war, ihre Botschaft an eine junge Zielgruppe zu senden. Voll geglückt. Sonst haben die Videos im YouTube-Kanal der Bundesregierung eher so 500 bis 5.000 Aufrufe. Da sind weit über eine Million in nicht mal 24 Stunden eine unglaubliche Steigerung. Und selbst wenn man die ganzen Journalisten abzieht, die es gesehen haben, bleiben noch jede Menge LeFloid-Fans übrig, die üblicherweise eine eher geringe Schnittmenge mit Merkel-Sehern bilden. Inhaltlich konnte Merkel ihre Inhalte gut – manche sagen „unwidersprochen“ – verkaufen und sie ist ganz bei sich geblieben. Im Gegensatz zu LeFloid, der seinen YouTube-Stil weit hinter sich gelassen hat. Schon das Setting und die formale Gestaltung erinnern mehr an das ARD-Sommerinterview als an LeNEWS. Da hätte er womöglich besser richtige Kameramenschen mitgenommen statt seiner 301+-Freunde. Und wo sich die Interviewer der ARD schon im Ort vom Interviewpartner distanzieren, versuchen sie auch, sich inhaltlich nicht vereinnahmen zu lassen. Der sonst so meinungsstarke LeFloid hat hier leider seiner Community vorgemacht, dass man bei Politikern besser angepasst ist. Insgesamt ist es also eine nette Plauderei mit geringem inhaltlichen Neuigkeitswert. Wenn beide noch was lockerer würden, könnte das sogar ein echt nett anzusehendes Format werden – womöglich dann wirklich finanziert von der Bundesregierung. Oder, besser: Im Wechsel mit Oppositionspolitikern. So weit, so irrelevant.

Ernsthafte Kritik

Aber hat nicht auch LeFloid profitiert? Ein so breites Medienecho von der Süddeutschen bis zum RTL Nachtjournal, von Bild bis Deutschlandfunk hatte er wohl noch nie. Und dass er überhaupt mit „echten“ Journalisten verglichen wird, dass man also diese Leistung von ihm (der kein Journalist ist) erwartet, ist eine Adelung. Tun sich die „traditionellen Medien“ sonst doch eher schwer mit diesem YouTube und blicken herablassend auf die Webvideomacher. In diesem Fall gibt es echte Medienkritik. Und egal ob sie gut oder schlecht ausfällt, allein dass es sie gibt, ist ein Gewinn. Ganz im Sinne des weisen Umberto Eco, der kürzlich forderte, Zeitungen sollten regelmäßig Internetkritik bringen, befasst man sich in diesem Fall ernsthaft mit einem Angebot im Internet und widmet ihm die gleiche Aufmerksamkeit wie dem ARD-Sommerinterview mit der Kanzlerin.

Es gibt noch mehr!

Das Team von "Jung & Naiv" bei der Verleihung des Grimme Online Award 2014 mit Laudator Jörg Thadeusz (2. v. l.); Foto: Grimme-Institut/Jens Becker

Das Team von „Jung & Naiv“ bei der Verleihung des Grimme Online Award 2014 mit Laudator Jörg Thadeusz (2. v. l.); Foto: Grimme-Institut/Jens Becker

Schon klar, dass es in dieser Form einmal, zweimal, vielleicht auch dreimal funktioniert, dann aber der Hype vorbei ist. Trotzdem: LeFloid macht schon regelmäßig eine Art Nachrichten-Sendung. Natürlich mit einer sehr anderen Themenauswahl als die traditionellen Nachrichten, aber er sensibilisiert sein sehr junges und sehr großes Publikum für wichtige Themen. Es gibt andere Angebote im Netz, auf die ein regelmäßiger Blick lohnt, nicht nur der ebenfalls mit einem Grimme Online Award 2014 ausgezeichnete Tilo Jung, der bei der Kritik womöglich bekannter ist, als in der Community. Ja, im Internet – und gerade bei YouTube – sammelt sich viel Irrelevantes, Angebote die man als vernünftig denkender Mensch nicht ohne körperliche Qualen ansehen kann, aber es gibt eben auch viel Tolles. Entdeckt es!

15. Juli 2015/4 Kommentare/von Vera Lisakowski
Schlagworte: Florian Mundt, Internetkritik, Kanzlerin, LeFloid, Merkel
https://www.goa-blog.de/wp/wp-content/uploads/2015/07/pv2014_lefloid_1200x675.jpg 675 1200 Vera Lisakowski https://blog2.grimme-online-award.de/wp/wp-content/uploads/2024/04/logo-ein-pixel-blind.gif Vera Lisakowski2015-07-15 12:20:372020-01-27 14:14:23LeFloid und die Entdeckung des Internets
4 Kommentare
  1. Droid Boy (@boydroid) sagte:
    15. Juli 2015 um 13:16

    Es muss Irrelephant heissen.

    Antworten
  2. Natalie sagte:
    15. Juli 2015 um 13:55

    Liebe Vera,

    die „irritierend Auswahl der Pressestimmen“ zum Merkel-LeFloid-Interview kommt deshalb zustande, da das der Kommentarstand am Dienstag, den 14.07 bis ca. 10.00 Uhr war. Dass sich die Kommentarlage danach noch einmal geändert hat, wäre etwas, dass man bei der Recherche eines Artikel zu diesem Thema hätte herausfinden können. Deshalb sind die Kommentare vom Nachmittag, Abend und Mittwoch nicht abgebildet. Der Pressekompass spiegelt keine persönliche Meinung, sondern Pressestimme wieder.

    Lieben Gruß
    Natalie

    Antworten
    • Vera Lisakowski sagte:
      15. Juli 2015 um 14:37

      Liebe Natalie,
      da steht nicht „irritierende Auswahl“, sondern „irritierend kleine Auswahl“. Dass es mehr Artikel dazu gibt, ist klar, auch schon am Dienstagmorgen gab, aber auch. Und es sollte auch überhaupt keine Kritik am Pressekompass sein – nichts läge mir ferner – auch wenn mir bewusst ist, dass es so klingt. Nur wenn mein Beitrag darauf beruht, dass wirklich JEDER das Thema aufgenommen hat, muss ich bei einer Verlinkung auf den Pressekompass – auf den wir immer wieder gerne hinweisen – schon eine Einschränkung hinzufügen, denn sechs Pressestimmen sind kein Beleg für JEDER. Es ist aber auch nicht eure Aufgabe, meine These zu belegen. Deshalb keine Kritik, nur eine Einschränkung.
      Lieben Gruß,
      Vera!

      Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. naanoo.de :: Social News Magazin sagt:
    17. Juli 2015 um 16:25 Uhr

    Jeder blamiert sich so gut er kann?!

    LeFloid interviewt Angela Merkel Youtuber LeFloid interviewt die Bundeskanzlerin. Wer dabei hektisches Geschwätz, Provokationen und schnelle Cuts im typischen LeFloid-Stil erwartet hat, wurde – wenig überraschend – enttäuscht. Stattdessen g…

    Antworten

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